Asiatisches Aluhuhn vom Grill

Hühnerfilet in Alu oder wie verwandele ich kulturelles in ökonomisches Kapital?
Robert Putnam hat im Jahr 2000 mit seinem Buch „Bowling alone“ dafür gesorgt, dass der von Pierre Bourdieu fein ausdifferenzierte und operationalisierbar gemachte Begriff „Soziales Kapital“ gnadenlos popularisiert und trivialisiert worden ist: „Ich kenne viele Leute und hab‘ ganz dolle viel soziales Kapital.“ Völliger Quatsch, aber leider nicht ohne Folgen. Ich denke, der Erfolg des Buches liegt an dem Bild: Alleine Bowlen mutet in der Tat etwas merkwürdig an. Daher habe ich etwas Ähnliches unternommen: Alleine Grillen! Ist ähnlich abseitig, oder? Das atavistische Ritual, Fleisch über offenem Feuer bzw. Glut zu garen, genießt man am besten in der Gruppe oder besser Horde: Das Leitmännchen wirft große Batzen Fleisch auf den Rost, gibt Bier darüber und unterhält die subalternen Klassen mit Zoten. Tja, wer es so mag oder nicht anders kann, aber alleine Grillen ist wenigstens Grillen mit jemanden, den man mag! Und es ist auch sozialer, schließlich kann man neue Gerichte ausprobieren, ohne die werten Gäste zu Versuchskaninchen zu machen. Es ist überhaupt sinnvoller, Grillereignisse durch Soloauftritte vorzubereiten und abzurunden, denn nach Bourdieu verfügen wir (hoffentlich) über symbolisches, soziales, ökonomisches und kulturelles Kapital. So gesehen, kann man dann kulturelles Kapital (die Kunst des leckeren Grillguts) zur Akkumulation von ökonomischen Kapital einsetzen. Und deswegen grillte ich alleine Appetithäppchen.
(Vielen Dank für diesen Beitrag an Jens.)

Rezept für 8 Personen als Vorspeise:

4 Hühnerbrüste (Bioqualität, wenn das ökonomische Kapital reicht)
4 große Frühlingszwiebeln
125 ml Sojasauce
50 ml Zucker
2 TL chinesischer Reiswein
1 Knoblauchzehe, zerhackt
Gewürze nach Gusto

Hühnerbrüste in 2-3 cm lange Quader schneiden, insgesamt um die 16.

Die Teile abwaschen und trockentupfen. Frühlingszwiebeln putzen und je in vier 2,5 cm lange Teile schneiden.
Sojasauce, Zucker, Reiswein, Knoblauch und Gewürze in einer schweren Pfanne über mittlerer Hitze zum Kochen bringen. 5 Minuten einkochen, bis die Marinade eindickt. In eine Schüssel geben und auf Zimmertemperatur kühlen.

Die Hühnerteile dazugeben und die Schüssel schütteln, bis alle gut überzogen sind. Ab in den Kühlschrank und 2-4 Stunden abgedeckt marinieren lassen. Den Grill anwerfen. 16 Alu-Würfel von ca. 12 cm Kantenlänge ausschneiden (ok ok, ausreißen).
Die Schüssel abgießen und die Marinade auffangen. Auf jedes Stück Alu ein Teil Huhn und eins von den Frühlingszwiebelstückchen drapieren und ein wenig Marinade darüber geben. Die Alufolie nicht kunstvoll falten, sondern kräftig zusammen knittern.

Ab damit auf den heißen Grill und regelmäßig wenden, bis das Huhn nach 6-8 Minuten gar ist. Den Gästen diese Vorspeise servieren und dabei warnen, dass das eine sehr heiße und wegen der Marinade unter Umständen kochend heiße Angelegenheit ist.

Das ist tatsächlich sehr lecker und braucht als Gesellschaft nur etwas Salat und einen Schluck Wein, den die Gäste hoffentlich mitgebracht haben!



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