Gefüllte Paprika – rehabilitiert

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Gefüllte Paprika, vorzugsweise von Reis begleitet, war eine Domäne meiner Großtante – eine lecker Kindheitserinnerung. Danach kamen die klammen Tage des Studiums mit dem kulinarisch eher bescheiden zu nennenden Anspruchshorizont der Studierenden: Abgepacktes Hackfleisch aus dem Supermarkt, lieblos und ungewürzt in die Paprika gequetscht und bei zu hoher Hitze zu schnell gar gemartert. Das Resultat: Fades, trockenes Fleisch in einer ledrigen Paprika. Und dazu: Chianti aus der Bastflasche. Ich kann bezeugen, dass die Kombination aus Studenten + Hackfleisch + Chianti nicht immer, aber signifikant häufig zum Übergeben führte. Das hat mir sowohl die gefüllte Paprika wie den Chianti über lange Jahre nachhaltig verleidet.
(Vielen Dank für diesen Beitrag an Jens.)

Es geht natürlich besser, wenn man einige Regeln beachtet:
1. Gutes, frisches Hackfleisch (Rind, Schwein, Lamm oder je nach Gusto eine Mischung)
2. Das Hack zur Sicherheit erst aus dem Kühlschrank holen, wenn man es verarbeitet
3. Hack und Zutaten sorgfältig, aber schnell vermengen. Wenn man da ewig mit den Händen rummacht, raubt das Saftigkeit und Eigengeschmack
4. Brühe, Brühe, Brühe
5.  Zeit

Anders als bei einem Burger, wo ich den reinen Fleischgeschmack will, ist es hier reine Geschmacksache, was man sich in das Hack mengt; meiner Meinung sollte es in Richtung deftig gehen, damit öffnet sich ein weites Experimentierfeld (warum nicht Anchovis statt Salz?).

Wir brauchen:

4 große Paprika
500 gr Hack
1-2 Zwiebeln
ca. 150 Milliliter gute Brühe
4 reife Tomaten, in Würfel geschnitten
Füllgut, Gewürze und Kräuter nach Gusto (Pilze, Knoblauch, Essiggürkchen, Ingwer, Zwiebeln, Senf, Ei, Chili usw. Das passt alles, sollte aber möglichst klein gehackt oder gerieben werden)

jens-paprika-zutaten

Zuerst 1 Zwiebel klein hacken und mit eventuellen Pilzen o. Ä. in Butter glasig schwitzen.
Paprika köpfen, entsamen und aushöhlen.
Hack in eine Schüssel und mit dem Gargut (Zwiebeln et al) und weiteren Zutaten sorgfältig vermengen (ich gebe meist ein rohes Ei und etwas Öl dazu).
Die Masse in die Paprikas stopfen und den Kopf wieder aufsetzen.
In der Zwischenzeit die zweite Zwiebel in einer ausreichend hohen Pfanne o. Ä. anschwitzen, Paprikas hineinstellen, Tomatenwürfel in die Zwischenräume geben und mit Brühe auffüllen.
50-60 Minuten auf niedriger Flamme simmern lassen, Paprikas entnehmen, in den vorgewärmten Ofen stellen und je nach Vorliebe aus dem Bratensaft eine Soße zaubern.



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