Kaninchenfilet, Forelle, Pfifferlinge – günstig und fix gegrillt

pfifferlinge-an-kaninchenfilet-im-speckmantel

Ich musste mit Erschrecken feststellen, dass der Sommer zur Neige geht und die Gelegenheiten zum Grillen begrenzt sind (jaja – ich weiß um die Freuden des Wintergrillens).
Was also kann man nach einem vollen Lohnarbeitstag tun? Ich könnte Steven Raichlings Standardwerk “The Barbecue Bible” lesen, dem ich bereits entnommen habe, dass zwei kulinarische Supermächte – Nordwesteuropa (das sind wir und die Bratwurst) und China – in der Geographie des Grillens wenig zu melden haben. Oder ich kann improvisieren und mir und meiner Mitbewohnerin Susanne was grillen.
(Vielen Dank für diesen Beitrag an Jens.)

Mein Vater, Metzger seines Zeichens, sagt immer: “Mit viel Kohle kann jeder grillen.” Und wie ich heute wieder feststellen musste, habe ich die Fähigkeit, mit wenig Kohle viel zu grillen auch in 15 Jahren (Zivildienst, Studium, die ersten Berufsjahre) als Hilfsheizer in einem Kirmesgrill nicht erworben. Zuerst brauchen wir also gute Holzkohle (Koks, nicht diesen elenden Bruch). Dann wollen wir den Rost sauber, vor allem aber heiß.

Und wir brauchen gute Ware, die diesen Temperaturen standhält, im Einzelnen:

1 Forelle ( € 2,95)
2 Kaninchenfilets (ca. € 5)
200 Gramm Pfifferlinge ( € 1,95)
100 Gramm Schinkenspeck (Preis vergessen)
1 Tageszeitung (ca. € 0,70)

forelle-pfifferlinge-und-zutaten

Macht insgesamt um die  € 10. Ich werfe habituell noch einige grobe Bratwürste vom Neulandmetzger dazu, da sich Grillen ohne Wurst falsch anfühlt. Nun los:

Forelle:
Zimmerwarm auf eine gefaltete Doppelseite des Tagesspiegels (fürchterliche Zeitung, aber das passende Format für diese Grillmethode) legen. Aus dem Garten/Balkon zwei frische Thymianzweige holen und zusammen mit einigen (wenigen) Lorbeerblätter in und unter den Fisch platzieren. Den Fisch innen und außen mit Butter bestreichen, Pfeffer dazu und einige Spritzer Zitronensaft, sowie bei Bedarf und Gelegenheit einige Pfifferlinge dazu geben. Zeitung um den Fisch zu einem festen Packet wickeln. Unter fließendem Wasser richtig nass machen und auf den heißen Grill legen. Nach ca. 15 Minuten ist der Fisch fertig. In der Regel ist das auch der Moment, in dem die Zeitung Feuer fängt. Einen Moment zur Seite stellen, dann auswickeln und den saftigen, aromatischen Fisch genießen. Dead simple, funktioniert immer.

forelle-angerichtet

Kaninchenfilets:
Die zimmerwarmen und gepfefferten Filets mit Thymian in den Schinkenspeck wickeln (nicht salzen, das macht der Schinkenspeck). Wenn der Schinkenspeck kross ist, ist das Filet fertig. Man muss allerdings die Päckchen sorgfältiger schnüren, als ich das heute tat. Der Fehler lag darin, dass ich zuerst den Schinkenspeck gekauft hatte und dann die ungewöhnlich großen Filets – ich war dann (langer Lohnarbeitstag) zu faul, noch mehr Schinkenspeck zu erstehen. Und – Kaninchen schmeckt NICHT wie Huhn, sondern besser.

kaninchenfilets-im-speckmantel
Pfifferlinge:
Nach all diesen tierischen Proteinen quasi als Entschuldigung noch einige Pilze: Pfifferlinge gewaschen (besser: gebürstet) auf Alu-Folie legen, Pfeffer dazu, gehackte frische Kräuter untermengen, reichlich gute Butter dabei und die Folie fest schließen und auf den Grill geben. Wenn die Folienoberfläche heiß ist, sind die Pfifferlinge dies noch nicht, die sind gut und gar, wenn die Folie auf beiden Seiten sehr heiß (wie in: Aua!) ist.

Diesem Gericht mangelt es ein wenig an Vitaminen (ich hatte zur Kompensation noch Angeber-Couscous – Rezept folgt), aber es bedient die atavistische Freude, eine Mahlzeit über offener Glut zuzubereiten.



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