Dies Jahr gibt es zwei Jubiläen zu feiern. Vor 250 Jahren (1762) soll der 4. Earl of Sandwich, die nach ihm benannte Klappstulle erfunden haben. Vor 125 Jahren (1887) soll ein gewisser Sussman Volk in New York das erste Pastramisandwich hergestellt haben. Wohlgemerkt: soll. Wie so oft gibt es viele unterschiedliche Versionen.

Pastrami ist geräuchertes, gewürztes Rind- oder Hammelfleisch, das in Knoblauch, Salpeter, Pfeffer, Paprika und Muskat eingelegt und danach geräuchert wird. Diese Zubereitung stammt wahrscheinlich aus Rumänien. In dünne Scheiben geschnitten und in ein Sandwich gebettet ist es seit vielen Jahren sehr beliebt in England und Amerika. In Deutschland setzt sich Pastrami erst langsam durch und ist mittlerweile an gut sortierten Fleischtheken vorrätig.

Der Überlieferung nach, war John Montagu, der 4. Earl of Sandwich ein leidenschaftlicher Kartenspieler, der das Spielen nicht unnötig mit Mahlzeiten unterbrechen wollte. Und deshalb nach einer Mahlzeit verlangte, die man zwischen zwei Brotscheiben packen und während der Kartenpartien aus der Hand essen konnte. Tatsächlich war der Earl aber auch ein vielbeschäftigter Diplomat, was nahe legt, dass er bei der Arbeit nicht unterbrochen werden wollte. In Brot eingelegte Speisen gab es allerdings schon in vorchristlicher Zeit. Aber eben nicht unter der Bezeichnung Sandwich.

Der jüdische Einwanderer Sussman Volk begann sein Berufsleben in Amerika erst als Kesselflicker. 1887 eröffnete er in New York eine koschere Fleischerei und stellte Pastramisandwiches her. Und auch hier gibt es keine endgültige Gewissheit. Das 1888 in New York eröffnete Katz Deli behauptet ebenfalls das Pastramisandwich erfunden zu haben.

Für mich sind solche Zweifel immer wieder verwunderlich, wenn es sich um Ereignisse handelt, die ja nun vor noch nicht so langer Zeit geschehen sind. Schließlich wissen wir doch mittlerweile auch ganz genau, was der Ötzi als letzte Mahlzeit hatte und das liegt weit länger zurück. Eins ist nun sicher: Pastrami hatte er nicht.